Gestalttherapie

Die Gestalttherapie ist für mich eine der wichtigsten Therapieformen der heutigen Zeit. Die Gehirnforschung bestätigt uns immer wieder, dass wir über unsere Erfahrungen lernen und nicht über das kognitive Verstehen. Das wissen wir alle viel zu gut. Wir machen regelmäßig die Erfahrung, dass allein der Wunsch etwas zu verändern und die Einsicht, dass ein bestimmtes Verhalten nicht hilfreich ist, keine tiefgreifende Veränderung herbeiführt. 

 

Für eine dauerhafte und tiefgreifende Veränderung braucht es eine neue, berührende Erfahrung und diese verändert uns - von innen heraus. Je umfassender wir eine neue Erfahrung machen, je bewusster wir etwas wahrnehmen und je mehr Sinne daran beteiligt sind, desto tiefgreifender ist die Veränderung. 

 

Dies ist der Gestalttherapie Ansatz. Er bezieht alle Sinne mit ein. Wie geht es uns, wenn wir eine Begebenheit erzählen. Was ist unser Empfinden, welches Körperempfinden habe ich dabei, wie ist meine Stimme, meine Körperhaltung, welche Bilder kommen mir dabei vor Augen. 

Es gibt viele Möglichkeiten, über Gestalttherapie zu sprechen, über ihre Begründer Fritz und Laura Pearls und Paul Goodman, über die Entwicklung dieser Therapieform, die sich zu weiten Teilen aus der Psychoanalyse und der Abgrenzung dazu entwickelt hat, die Gestaltgesetze, die Techniken und vieles mehr. Nicht zuletzt ist die Gestalttherapie eine Lebenshaltung mit praktischen Konsequenzen, Verantwortung für unser Leben und dem Fokus auf das so oft strapazierte "Hier und Jetzt".

Gestalt - eine Haltung

In der Gestalttherapie wird nicht zwischen Krankheit und Gesundheit unterschieden. Vielmehr gilt es, auf das zu schauen, was uns krank macht und womit wir uns selbst krank machen. Oder auf das, mit dem wir uns überfordern, indem wir von uns verlangen, was uns nicht entspricht.


Dafür richten wir in der Gestalttherapie den Blick auf unseren eigenen Kern und lernen, ihn wertzuschätzen. Denn er ist es, der uns Orientierung gibt und die Perspektive eröffnet, aus der heraus wir neue Schritte wagen können. Gestalttherapie ist damit ein lebendiges Lernen und Wachsen.

 

Veränderung im Hier und Jetzt

Der richtige Zeitpunkt für eine Gestalttherapie ist dann, wenn wir für eine Veränderung bereit sind – unabhängig davon, in welcher Situation wir uns gerade befinden. Dabei geht es um die Veränderung im Hier und Jetzt, mit all dem, was gerade ist - ob "alten" oder "neuen" Ursprungs. In der aktuellen Lebenssituation und in der konkreten Therapiesitzung, im Kontakt zwischen Klient und Therapeut. 


Das Wichtige ist im Vordergund

Im Sinne der Gestalt ist es nicht notwendig, tief zu graben. Die Dinge, die bearbeitet und erledigt werden wollen, sind immer im Vordergrund – sei es über Themen, die uns beschäftigen, über Verhaltensweisen, Sprache, Gestik und Mimik, die Körperhaltung, Körperempfindungen oder Gefühle. 


Prägnanz, Awareness und Integration

Der Gestalttherapeut unterstützt dabei, diese Phänomene besser wahrzunehmen (awareness) und sie prägnanter herauszuarbeiten. Auf diese Weise werden die Dinge erfahrbar und innerlich erlebbar und können über die Wahrnehmung integriert werden. In der Gestalttherapie sprechen wir davon, dass eine unerledigte beziehungsweise offene Gestalt geschlossen wird.

 

Erst dann, wenn diese uns belastenden Dinge gelöst sind und die Gestalt geschlossen ist, können wir genesen und sind wir offen für Neues.